Lehrstuhl für Rechtsphilosophie und Öffentliches Recht

Rechtsphilosophisches Seminar: Rechtskritik

Inhalt

I. Fragestellung und Vorgehen Recht lässt sich nicht nur theoretisch beschreiben und in seinen normativen Mechanismen und Verfahren analysieren. Es kann auch Gegenstand einer grundsätzlichen Kritik werden: sei es aus politischen, sei es aus moralischen oder moralphilosophischen, sei es aus soziologischen Motiven. Dabei kann das Recht, das selbst normative Aufgaben erfüllt, seinerseits mit normativen Anforderungen an diese Aufgabenerfüllung konfrontiert werden – etwa, indem man den Formalismus des Rechts mit materiellen Gerechtigkeitsforderungen abgleicht. Das Recht kann aber ebenso, in ideologiekritischer Perspektive, als ein Scheinphänomen angesehen werden, hinter dem anders geartete soziale Kräfte – typischerweise: Politik qua Macht und Gewaltausübung – verbergen. Diese mögliche Perspektive bildet den Gegenstand des Seminars. Wir möchten gemeinsam klassische Texte lesen, die die Selbstsicherheit des Rechts in Frage stellen, indem sie seine Legitimität oder sogar seine Eigenheit als selbständiges Phänomen in Zweifel ziehen. Um dem Grundgedanken der kritischen Bewegung möglichst nahe zu bleiben, wird dabei jede Kritik zugleich mit einer Gegenposition konfrontiert, die der Kritik nicht einfach fremd gegenübersteht, sondern ausdrücklich aus einer verwandten Sicht eine Kritik der Kritik formuliert. Von dem Seminarteilnehmer(inne)n wird erwartet, dass sie in Vorbereitung der gemeinsamen Diskussion die jeweiligen Textausschnitte gelesen haben. Wünschenswert, aber nicht obligatorisch ist es zudem, dass jede(r) Teilnehmer(in) jeweils einen Text am Anfang der Sitzung kurz vorstellt. Ebenso wenig obligatorisch, aber selbstverständlich möglich ist die Erstellung einer Seminararbeit, die sich mit einem der ausgewählten Autoren bzw. Texte oder einem im Themenfeld verorteten Spezialproblem beschäftigt. II. Lektüreprogramm: I. Marxistische Rechtskritik

  • Karl Marx, Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie
  • Ernst Bloch, Naturrecht und menschliche Würde (Auszug)
II. Die Kritik der Freirechtsbewegung
  • Hermann Kantorowicz, Der Kampf um die Rechtswissenschaft
  • Hermann Kantorowicz, Die contra-legem-Fabel
III. Nationalsozialistische Rechtskritik
  • Reinhard Höhn, Das subjektive Recht und der neue Staat
  • Carl Schmitt, Der Führer schützt das Recht
IV. Legal Realism
  • Karl Llewelyn, Some Realism About Legal Realism
  • Hermann Kantorowicz, Some Rationalism About Legal Realism
V. Critical Legal Studies
  • Duncan Kennedy, Two Globalizations of Law & Legal Thought: 1850–1968
  • Peter Goodrich, Sleeping With the Enemy: An Essay on the Politics of Critical Legal Studies in America
VI. Legal Pluralism
  • Eugen Ehrlich, Grundlegung der Soziologie des Rechts (Auszug)
  • Robert Cover, Nomos and Narrative
VII. Kritische Theorie des Rechts
  • Otto Kirchheimer, Über den Rechtsstaat
  • Gunther, Teubner, „Man schritt auf allen Gebieten zur Verrechtlichung“. Rechtssoziologische Theorie im Werke Otto Kirchheimers
VIII. Feministische Rechtskritik
  • Catherine A. MacKinnon, Feminismus, Marxismus, Methode und der Staat: Ein Theorieprogramm
  • Drucilla Cornell, Gender, Sex, and Equivalent Rights
IX. Poststrukturalistische Rechtskritik
  • Werner Hamacher, Vom Recht, Recht nicht zu gebrauchen
  • Christoph Menke, Kritik der Rechte (Auszug)
  • Karl-Heinz Ladeur, Die Textualität des Rechts(Auszug)
  • Ino Augsberg, Shylocks Anspruch

Termine

Zusätzliche Informationen

http://www.augsberg.jura.uni-kiel.de/de

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